Herzlich Willkommen auf wahlumfrage2009.de!

Vielen Dank für Ihr Interesse an der wahlumfrage2009.de, der wissenschaftlichen Umfrage der Universität Mannheim zur Bundestagswahl 2009. In den vergangenen vier Wochen haben sich über 11.000 Personen an der Umfrage beteiligt. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die unsere Studie durch ihre Teilnahme unterstützt haben.
Inzwischen ist die Umfrage beendet. Eine Teilnahme ist leider nicht mehr möglich. Hier finden Sie erste Ergebnisse der wahlumfrage2009.de:
Erste Auswertungen der wahlumfrage2009.de
Teilnehmerstruktur
Über 11.000 Mal wurde der Fragebogen der wahlumfrage2009.de innerhalb von vier Wochen aufgerufen. Den kompletten Fragebogen füllten knapp 8.000 Befragte aus. Wie bei offenen, selbstrekrutierten Online-Befragungen zu erwarten, stellen die Teilnehmer der wahlumfrage2009.de kein repräsentatives Abbild der wahlberechtigten Bevölkerung dar: Zwei Drittel der Befragten sind jünger als 40 Jahre; knapp ein Viertel der Teilnehmer sind zwischen 40 und 60 Jahren alt; sieben Prozent der Umfrageteilnehmer sind 60 Jahre und älter. Das Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren. 74 Prozent der Teilnehmer sind männlich; bloß 26 Prozent sind Frauen. Zudem sind erwartungsgemäß Personen mit Hochschulreife unter den Befragten deutlich überrepräsentiert: Knapp drei Viertel der Befragten haben Abitur oder einen äquivalenten Schulabschluss; dagegen besitzen nur 5 Prozent der Befragten einen Haupt- oder Volksschulabschluss.
Wahlabsichten: Zweitstimme

Diese Verzerrung in der Teilnehmerstruktur spiegelt sich deutlich in den berichteten Wahlabsichten wider. Den höchsten Zweitstimmenanteil erreicht die Piratenpartei mit 19 Prozent, knapp vor Bündnis 90/Die Grünen und der SPD (jeweils 17 Prozent). Es folgen die FDP und die Linke mit 14 respektive 13 Prozent. Die CDU/CSU - stärkste Fraktion im neu gewählten Bundestag - bringt es lediglich auf elf Prozent der Stimmen.
Für die Ermittlung repräsentativer Randverteilungen ist die wahlumfrage2009.de ebenso wenig geeignet wie andere selbstrekrutierte Online-Befragungen. Da sich die wahlumfrage2009.de nicht allein auf die Wahlabsichtsfrage konzentrierte, sondern weitere Einstellungen erhoben wurden, können Zusammenhänge zwischen verschiedenen Merkmalen untersucht werden.
Zweitstimme Piraten - und die Erststimme?
Die meisten Wähler, die der Piratenpartei ihre Zweitstimme gaben - also jene Stimme, mit der man für die Landesliste einer Partei stimmt, waren in der Wahlkabine damit konfrontiert, ihre Erststimme keinem Kandidaten der Piraten geben zu können: Laut Bundeswahlleiter (PDF, S. 3) stellte die Piratenpartei bloß in 14 von 299 Wahlkreisen einen Direktkandidaten oder eine Direktkandidatin. Sofern sie für einen Kandidaten der Piraten hätten stimmen wollen, mussten sie sich also für den Kandidaten einer anderen Partei entscheiden.
Diejenigen Teilnehmer, die angaben, der Piratenpartei ihre Zweitstimme zu geben, wollten zu 22 Prozent auch einem Kandidaten der Piraten ihre Stimme geben. (In einigen Fällen dürften sie dann wohl keinen auf ihrem Stimmzettel gefunden haben.) Fast genauso viele wollten für den jeweiligen Grünen-Kandidaten stimmen (21 Prozent). Auch die Kandidaten der SPD (15 Prozent) und der Linkspartei (11 Prozent) konnten demnach auf Stimmen von Befragten der wahlumfrage2009.de hoffen. Die Kandidaten von Union und die FDP hatten dagegen kaum Aussicht auf Stimmen von solchen Wählern, die der Piratenpartei ihre Zweitstimme geben wollten.
Die Parteien in Social Networks

Wir haben diejenigen Befragten, die in Social Networks wie Facebook oder studiVZ auf Beiträge über Parteien oder den Wahlkampf gelesen haben, um eine Einschätzung gebeten, ob diese Beiträge - alles zusammengenommen - eher günstig oder ungünstig für die verschiedenen Parteien waren. Die Ergebnisse zeigt die Abbildung, die folgendermaßen zu lesen ist: Angenommen, eine Partei würde in allen Beiträgen in Social Networks günstig beurteilt, so läge ihre Bewertung bei +1. Eine Partei, die ausschließlich negativ bewertet würde, käme auf einen Wert von -1.
In den Social Networks, in denen sich die Teilnehmer unserer Umfrage bewegen, überwiegen bloß für zwei Parteien die positiven Bewertungen. Die Grünen wurden in der Wahrnehmung der Befragten im Schnitt mit einem Wert von +0,2 bewertet: die Piratenpartei erreichte mit +0,34 den Spitzenwert. SPD und FDP werden insgesamt ambivalent bewertet. Negativ beurteilt wurden in den Netzwerken der Befragten die CDU und die CSU; insbesondere aber die Linke, die insgesamt mit -0,31 von allen Parteien am schlechtesten abschneidet.
Die Wählerstruktur der Piratenpartei

In klassischen, repräsentativen Telefonumfragen kann die Wählerschaft von Kleinstparteien, die nur wenige Prozentpunkte erreichen, nur schwer analysiert werden: Bei 1.000 Befragten entspräche ein Stimmenanteil von einem Prozent gerade einmal zehn Personen. In der wahlumfrage2009.de findet sich jedoch eine weit größere Zahl von Teilnehmern, die für die Piratenpartei stimmen wollten. Die wahlumfrage2009.de ist damit zwar nicht bevölkerungsrepräsentativ, aber dennoch dazu geeignet, Mechanismen und Zusammenhänge aufzuspüren, die zu Wahlentscheidungen führen. Die Grafik schlüsselt die Anteile von Befragten, die in unserer Umfrage angegeben haben, der Piratenpartei ihre Stimme geben zu wollen, nach Altersgruppen, Geschlecht und Intensität der Internetnutzung auf. Demnach präferierten insbesondere Wähler der jüngsten Altersgruppe besonders viele die Piraten. Gerade unter jungen Männern fand die Partei Zuspruch. Die Grafik zeigt zudem, dass eine Präferenz für die Piratenpartei mit einer hohen Internetnutzung verknüpft ist - nicht allzu überraschend bei einer Partei, deren Programm sich hauptsächlich auf Internetbezogene Sachfragen beschränkt.
(Weitere Informationen zur Wählerschaft der Piratenpartei finden Sie hier.)
Prof. Thorsten Faas
Universität Mannheim
A5, 6
68131 Mannheim
Dipl.-Soz.wiss. Sascha Huber
Universität Mannheim
A5, 6
68131 Mannheim
Ansgar Wolsing, M.A.
Mannheimer Zentrum
für Europäische Sozialforschung
A5, 6
68131 Mannheim